Im November 2010 haben wir eine Kinderpatenschaft in Afrika übernommen.

Avira Alex Francis lebt mit ihrer Mutter im Norden Tansanias. Sie wurde am 2. Mai 2006 geboren und hat eine Schwester und zwei Brüder. Die geringen Einkünfte der Familie reichen oft nicht einmal zur Versorgung mit dem Nötigsten.

Gemeinsam mit World Vision Deutschland e.V. setzen wir auf nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe. Die Unterstützung kommt immer dreifach an - bei den Kindern, ihren Familien und ihrem Umfeld.



Ganz im Norden Tansanias, an der Westseite des großen Viktoriasees, liegt das Projektgebiet Lweru.

In fünf ländlich geprägten Gemeinden unterstützt World Vision hier rund 36.000 Menschen dabei, die Lebensbedingungen in ihrer Heimat nachhaltig zu verbessern.

Im aktuellen Berichtszeitraum sind die Bewohner diesem Ziel wieder ein gutes Stück näher gekommen - wenngleich es noch Einiges zu tun gibt.

Ausgangssituation

Die Lebensgrundlage in Lweru ist die Landwirtschaft, die aber nicht ausreichende Erträge bringt. Zu Beginn der Projektarbeit gab es häufig Engpässe in der Nahrungsmittelversorgung. Zahlreiche Kinder waren unterernährt.

Das Trinkwasser stammte überwiegend aus Flüssen, Bächen und Wasserlöchern, aus denen auch Tiere trinken und das Wasser dabei verunreinigen. So wurde es zu einer Gefahr für die Gesundheit der Menschen. In der Folge litten viele an den vor allem für Kinder gefährlichen Durchfallerkranklungen, Würmern und Augeninfektionen. Weil zu wenige sanitäre Einrichtungen vorhanden waren, brach regelmäßig die Cholera aus.

HIV und AIDS stellt die Bevölkerung vor große Probleme. Viele Waisen leben mit ihren Geschwistern allein ohne Erwachsene oder bei ihren Verwandten, die häufig sehr viele Kinder versorgen müssen. Für die Waisen ist der Tod der Eltern nicht nur ein tragischer Verlust, sie müssen nun auch ohne ihre Fürsorge leben. Viele haben die Schule abgebrochen, um für jüngere Geschwister zu sorgen.

Zusätzlich schwächt Malaria die Bevölkerung. Die regelmäßigen Erkrankungen an Malaria endeten für viele Kinder tödlich, als zu Beginn der Projektarbeit noch kaum Medikamente vorhanden waren. Damals wussten die meisten Menschen nur sehr wenig über Infektionswege und vorbeugende Maßnahmen oder über das Thema HIV. Möglichkeiten, den Kindern mit einer Schulbildung Wege aus der Armut zu bieten, gab es kaum.

Projektziele

Mithilfe der Patinnen und Paten aus Deutschland arbeitet World Vision daran, die Lebensbedingungen für die Kinder und ihre Familien in der gesamten Projektregion nachhaltig zu verbessern. Dabei gilt der Grundsatz, gemeinsam mit den Menschen vor Ort an Lösungen zu arbeiten, die Bedürfnisse der Kinder besonders zu berücksichtigen und die Bewohner mit ihren Fähigkeiten einzubinden. Von Anfang an werden daher örtliche Organisationen und lokale Regierungsstellen intensiv an der Projektarbeit beteiligt. So unterstützt World Vision sie mit gezielter Hilfe zur Selbsthilfe dabei, die Armut nachhaltig und aus eigener Kraft zu bekämpfen. Dafür investieren wir vor allem in die Bereiche Landwirtschaft und Einkommen, Gesundheit sowie Bildung.

Landwirtschaft und Einkommensförderung

Um die Ernteerträge in Lweru zu erhöhen, schult World Vision die Bauern in ressourcenschonenden Anbaumethoden. Alleine im Berichtszeitraum lernten 630 Farmer unter anderem, wie sie die Felder effizient bewässern, die Ernte vor Krankheitsbefall schützen und eigenen Dünger herstellen können. Die Bauern werden seit Projektbeginn darin unterstützt, neue Getreide- und Gemüsesorten zu kultivieren, die profitabler als die traditionellen Anbausorten sind und außerdem den Speiseplan der Familien um wichtige Nährstoffe erweitern. So werden neben Mais, Kochbananen und Bohnen mittlerweile auch Soja, Cassava, Kartoffeln und Vanille sowie in den Hausgärten Gemüsesorten wie Tomaten, Zwiebeln, Karotten und Spinat angebaut. 128 Frauen aus Landwirtschaftsgruppen nahmen in den letzten zweieinhalb Jahren an Schulungen über Sojaanbau teil. Für einen geringen Preis erhielten 1.170 Familien verbessertes Soja- oder Gemüsesaatgut. Dadurch konnten einige Farmer ihre Erträge bereits deutlich steigern.

Die Viehhalter im Projektgebiet werden von World Vision-Mitarbeitern in Zuchtmethoden und tiermedizinischen Themen weitergebildet. Immer mehr Bewohner, vorwiegend Frauen, schließen sich zu Spar- und Kreditgruppen zusammen, um gemeinsam etwas aufzubauen. Die Gruppen werden von World Vision in Geschäftsführung und Buchhaltung geschult, erhalten aber auch technische Fortbildungen. So lernten fünf Frauengruppen, wie sie Sojabohnen zu Mehl verarbeiten können; in dieser Form lässt sich Soja besser abpacken, lagern und damit auch verkaufen. Im Jahr 2008 haben die Projektbewohner mit Unterstützung von World Vision erstmals eine übergreifende Spar- und Kreditkooperative gegründet, die Kleinkredite an ihre Mitglieder vergibt und beispielsweise auch Fördergelder beim Staat oder nichtstaatlichen Organisationen beantragen kann. Die Kooperative hat bereits 426 Mitglieder.

Bildung

Mit Aufklärungskampagnen über Kinderrechte und die Bedeutung des Schulbesuchs konnte World Vision viele Eltern davon überzeugen, ihre Kinder zur Schule zu schicken: Die Einschulungsrate ist von 75 Prozent im Jahre 2002 auf 99 Prozent im Jahre 2009 gestiegen. 77,5 Prozent der Siebtklässler (im Vergleich zu 46 Prozent im Jahr 2004) haben im Jahr 2008 die Abschlussprüfung bestanden; die meisten von ihnen erhielten die Empfehlung für den Besuch einer weiterführenden Schule. Damit die Unterrichtsqualität weiter verbessert wird, unterstützt World Vision die Anschaffung von modernen Unterrichtsmaterialien und Möbeln. Zehn Schulen erhielten alleine in den letzten zweieinhalb Jahren über 4.500 Bücher und 200 neue Tischbänke. Seit Projektbeginn wurden 22 Klassenräume gebaut, zwei davon alleine im Berichtszeitraum, und 23 Grundschulen mit Latrinen ausgestattet.

72 Grundschullehrer nahmen an Fortbildungen über moderne Unterrichtsmethoden und Lerninhalte teil. Für bedürftige Kinder, die verwaist sind oder deren Eltern sich einen Schulbesuch nicht leisten können, übernimmt World Vision die Schulgebühren; über 500 Kinder wurden alleine in den letzten
zweieinhalb Jahren auf diese Art unterstützt. 650 Kinder erhielten zudem die notwendigen Schuluniformen. Damit der Schulbetrieb auch in Zukunft gesichert ist, übernehmen Schulkomitees aus den Reihen der Projektbewohner zunehmend selbständig die Organisation und Finanzierung des Unterrichts. Die Mitglieder werden von World Vision zu diesem Zweck in Verwaltung und Management fortgebildet.

Gesundheit

HIV ist in Lweru weit verbreitet und viele Kinder sind durch AIDS zu Waisen geworden. World Vision hat durch zahlreiche Aufklärungskampagnen bereits eine Verhaltensänderung in der Bevölkerung bewirken können; immer mehr Menschen schützen sich und das Thema ist kein Tabu mehr. Es ist jedoch weiterhin Aufklärungsarbeit zu leisten. World Vision setzt auf die Schulung von Lehrern und Dorfberatern, die ihr Wissen an die Bevölkerung weitergeben. 180 Jugendliche wurden alleine im Berichtszeitraum dazu ausgebildet, das Thema unter Gleichaltrigen anzusprechen. Eine Theatergruppe mit HIV-positiven Schauspielern reist durch die Dörfer und motiviert die Zuschauer dazu, sich testen zu lassen. Das Engagement ist von Erfolg gekrönt, denn alleine in den letzten zweieinhalb Jahren ließen sich 1.031 Bewohner auf HIV testen.

Die wichtigsten Aktivitäten von Oktober 2006 bis März 2009:

Landwirtschaft und Einkommensförderung

• 630 Bauern in verbesserten Anbaumethoden geschult
• 128 Frauen im Sojaanbau geschult
• 1.170 Familien hochwertiges Saatgut zur Verfügung gestellt
• 473 Viehhalter fortgebildet
• 5 Frauengruppen in der Herstellung von Sojamehl geschult
• 50 Spar- und Kreditgruppen in Geschäftsführung fortgebildet
• 1 Spar- und Kreditvereinigung gegründet

Bildung

• Schulgebühren für über 500 bedürftige Schüler gezahlt
• Schuluniformen für 650 Kinder zur Verfügung gestellt
• 2 Klassenräume gebaut
• 3 Schulen mit Latrinen ausgestattet
• Schulen mit über 4.500 Büchern, 200 Tischbänken und 80 Büroschränken ausgestattet
• 72 Lehrer, 20 Schulleiter und 94 Komiteemitglieder fortgebildet

Gesundheit

• Regelmäßiger Gesundheitscheck von bis zu 5.000 Kindern
• Über 130 Mütter in gesunder Ernährung und Krankheitsvorbeugung geschult
• 180 Jugendliche, 94 Lehrer und 100 Dorfberater in HIV- und AIDS-Aufklärung geschult
• 26 Schulclubs mit Infomaterial über HIV und AIDS ausgestattet
• 181 Freiwillige in der Betreuung von AIDS-Patienten und Waisen ausgebildet
• 1.031 Menschen auf HIV getestet
• 65 Mitglieder von Wasserkomitees fortgebildet
• 62 Gesundheitshelfer in Malariavorbeugung geschult und 900 Moskitonetze verteilt
• Krankenstationen mit Mikroskopen, Betten, Medikamenten u. Ä. ausgestattet

Besondere Unterstützung wird den an AIDS erkrankten Menschen zuteil: World Vision fördert die Bildung von dörflichen Pflegegruppen, die sich um die Patienten kümmern. Die Gruppenmitglieder werden im Rahmen von Seminaren in häuslicher Pflege geschult - 100 Teilnehmer alleine in den letzten zwei Jahren - und erhalten Pflegematerial. 160 Freiwillige kümmern sich speziell um die durch HIV und AIDS verwaisten und gefährdeten Kinder und unterstützen sie mit Nahrungsmitteln, Kleidung und Schulmaterialien.

Um die Verbreitung von Malaria weiter einzudämmen, schult World Vision freiwillige Gesundheitshelfer, die imprägnierte Moskitonetze verteilen und in den Dörfern über die Nutzung informieren. Mittlerweile verwenden 90 Prozent der Bevölkerung ein Moskitonetz, was entscheidend dazu beigetragen hat, dass Malariafälle im Zeitraum von 2005 bis 2009 um über die Hälfte zurückgegangen sind.

Ein weiterer Schwerpunkt der Projektarbeit liegt auf der Schulung von Müttern zu Themen wie gesunde Ernährung, Krankheitsvorbeugung und den Vorteilen des Stillens. Über 130 Frauen nahmen alleine seit Oktober 2007 an Seminaren teil, in denen sie unter anderem lernten, mit den vorhandenen Lebensmitteln ausgewogene Mahlzeiten zuzubereiten. Die Rate der Mangelernährung bei Kleinkindern konnte seit 2001 bereits um fünf Prozent gesenkt werden und lag 2008 bei 11,7 Prozent.

Krankheiten, die durch verunreinigtes Wasser und schlechte Hygiene verursacht werden, sind stark zurückgegangen. Die von World Vision errichteten oder reparierten Brunnenanlagen werden von gewählten Wasserkomitees aus den Reihen der Dorfbewohner gewartet und instand gehalten; alleine im Berichtszeitraum wurden 65 Komiteemitglieder zu diesem Zweck fortgebildet. Es gibt jedoch weiterhin zu wenige Trinkwasserquellen im Projektgebiet. Auch die Komitees brauchen noch Unterstützung. Die Projektarbeit im Bereich Trinkwasser soll daher zukünftig intensiviert werden.

TANSANIA

Löwen, schneebedeckte Vulkane, grüne Ebenen, Savanne und hochgewachsene Massai. Tansania ist ein Teil Afrikas wie aus dem Bilderbuch, aber hinter den Kulissen herrscht die Not.

Tansania vereint viele atemberaubende Landschaften: tropische Regionen am Indischen Ozean und trockene, warme Gebiete im Süden und Norden. Der Zentralafrikanische Graben im Westen und der Ostafrikanische mitten im Land, riesige Krater, Vulkane und der Kilimandscharo hinterlassen tiefe Eindrücke bei den Betrachtern.Tansania grenzt direkt an die drei größten Seen Afrikas: den Viktoriasee im Norden, den Tanganjikasee im Westen und den Malawisee im Süden. Der Norden krönt den Staat mit der Serengeti.

Friedliche Vielfalt mit langer Tradition
Im Gegensatz zu anderen Teilen Afrikas blickt Tansania auf eine eher friedliche Landesgeschichte zurück. Natürlich gab und gibt es Konflikte: Auch hier herrschten Kriege mit Nachbarländern und das Land wurde, unter anderem von Deutschland, kolonialisiert. Unter den 130 verschiedenen Volksgruppen entstehen immer wieder Spannungen. Aus dem Festland Tanganjika und den zwei Inseln Sansibar und Pemba entstand 1964 das heutige Tansania, das unter der Staatsform einer Präsidialrepublik geführt wird.

Steigende Kosten und sinkende Lebensqualität
Überschwemmungen und Dürreperioden vernichten große Teile der Ernte und sind Ursachen dafür, dass 44% der Menschen unterernährt sind.Viele Dörfer liegen weit außerhalb und verfügen über schlechte, nicht asphaltierte Straßen, die Transporte und Handel erschweren. Güter werden somit teuer und leicht Verderbliches kann über die weiten Strecken nicht transportiert werden. Aufgrund von Armut, Hunger und schlechter medizinischer Versorgung erreichen nur wenige Menschen ein Alter über 65 Jahren.

Aufgeschlossen und neugierig
Der Staat wirbt stark für den Schulbesuch und die Bevölkerung ist dafür aufgeschlossen. 78 % der Männer und 62 % der Frauen können lesen und schreiben. In den 70er Jahren waren diese Zahlen sogar noch höher. Leider sind die Schulen insgesamt schlecht ausgestattet und meistens viel zu klein. Schulgebühren werden zwar nicht erhoben, aber die Lernmittel und Schuluniformen sowie eine Beteiligung an der Ausstattung und am Betrieb müssen bezahlt werden.Viele arme Familien sind damit überfordert.

Ein todernstes Thema: Gesundheit
Für kommunale Gesundheitszentren fehlen leider die Mittel. Statt ausgebildeten Fachkräften behandeln traditionelle Heiler und Geburtshelferinnen die Menschen. Es stehen kaum Medikamente zur Verfügung. Da rund 45% der Menschen kein sauberes Trinkwasser haben, ist der Gesundheitszustand alarmierend. Viele sterben an AIDS oder Malaria. Zurück bleiben Waisen, deren Erziehung die Ersatzfamilien vor allem wirtschaftlich überfordert.

Tansania ist heute eines der ärmsten Länder Afrikas. So ist neben Wasser, Hygiene und der Basisversorgung die Förderung der Landwirtschaft ein wichtiger Sektor. Hier hilft World Vision die Erträge zu steigern und Überschüsse zu erwirtschaften. Im ökonomischen Bereich werden Kleingewerbe und Kooperativen gefördert. Darüber hinaus werden in den Sektoren AIDS und Bildung große Investitionen getätigt.

Zum Vergleich

TANSANIA

DEUTSCHLAND

Lebenserwartung:
51,5 Jahre

Ärzte pro 100.000 Einwohner:
2

Säuglingssterblichkeit:
78 von 1.000

Kindersterblichkeit bis zu 5 Jahren:
126 von 1.000

Einschulungsrate in der Grundschule:
86%

Kinder, die die 5. Klasse erreichen:
88%

Analphabeten:
21,8%

Lebenserwartung:
79 Jahre

Ärzte pro 100.00 Einwohner:
337

Säuglingssterblichkeit:
4 von 1.000

Kindersterblichkeit bis zu 5 Jahren:
5 von 1.000

Einschulungsrate in der Grundschule:
100%

Kinder, die die 5. Klasse erreichen:
100%

Analphabeten:
0,5%

Quelle: World Vision Deutschland e.V.